Kunstflug im Norden

mit der SZD59

Zeitungsartikel

Auszug Peiner Teil der Braunschweiger Zeitung vom 27.08.2007:

Kopfstand in der „Peiner Eule“: Kunstflug mit Kai Gonet 1000 Meter über der Fuhsestadt (von Markus Brich)

Kai Gonet ist ein Mann dem man vertrauen muss. Zumindest, wenn man sein Hobby mit ihm teilt: Segelkunstflug. Etwas mehr als schulterbreit ist der Platz hinter seinem Pilotensitz im Cockpit der „Peiner Eule“. Gelassen geht der 33-jährige Gadenstedter um den zweisitzigen Segler, inspiziert ihn vor dem Start noch einmal genau. Sicher ist sicher. Ich sitze derweil schon drin. Mit einem Fallschirm auf dem Rücken.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Schirm brauchen, ist so klein“, deutet der gelernte Luft- und Raumfahrtingenieur mit zusammengekniffenem Daumen und Zeigefinger an, grinst, und fügt hinzu: „Und die Wahrscheinlichkeit, dass er uns was nutzt, ist noch kleiner…“

Tollkühne Männer in fliegenden Kisten – ein Klischee, dass Kunstflieger Kai gar nicht gern hört: „Ein Reporter hat mal so was über mich geschrieben. Als ich später meine Lebensversicherung wechseln wollte, haben die im Internet gegoogelt und den Artikel entdeckt. Da wollten die mir gleich den Beitrag um 900 Euro erhöhen, von wegen ich sei tollkühn und dem Risiko und so…“

Auf den jungen schlanken Mann, der in Turnschuhen, Jeans und T-Shirt, mit schmaler Sonnenbrille und blauer Baseballkappe vor mir in die Pilotenkanzel steigt, treffen in der Tat andere Begriffe zu. Konzentration, Präzision, Exaktheit – im Interview vor dem Flug hat er mir beschrieben, worauf es an kommt beim Kunstflug. „Die Orientierung zu behalten, ist die Hauptsache“, sagt der 33-Jährige. Die Möglichkeit, den gesamten Flugraum und die Fähigkeiten des Seglers ausnutzen zu können, fasziniert ihn an der Kunstfliegerei.

Ich werde ich gleich erfahren, was genau er damit meint: Vor uns beschleunigt Jürgen Klessmann den Motorsegler „Falke“ und schleppt uns an einem 40 Meter langen Seil hinauf in den Peiner Himmel. Es geht gemächlich an. Gut 20 Minuten hängen wir an dieser Nabelschnur und kurven uns langsam auf rund 1200 Meter Höhe. Links und rechts ein paar Wolken, aber über dem Flugplatz strahlt die Sonne durch den klarblauen Himmel. Die Sicht reicht bis nach Burgdorf, auf dem Kanal neben dem Mehrumer Kraftwerk schippert ein Lastkahn dahin.

„Du hast echt Glück“, sagt Kai von vorne zu mir. „Dein erster Kunstflug bei diesem Wetter, das ist wie ein Sechser im Lotto. Zieh noch mal die Sicherheitsgurte stramm, wir legen gleich los.“ Während ich kräftig an den Riemen zerre, bittet Kai per Funk die Wachleitung in Bremen um Freigabe für den bevorstehenden Kunstflug. Dann zieht er an dem gelben Knopf rechts neben seinem Knie und klingt das Zugseil aus.

Während Klessmann mit der „Falke“ in weitem Bogen nach links abdreht, steuert Kai die ASK 21 in eine gute Sichtposition für die Zuschauer des Uhlenflug-Tages. „Alles O.K.? Dann geht’s jetzt los. Und falls dir schlecht wird, sag’ Bescheid“, höre ich von vorne. Kai drückt den Steuerknüppel nach vorn. Die Nase des Seglers senkt sich nach unten. Der blaue Himmel verschwindet nach oben aus dem Sichtfeld der Kanzel, von unten schiebt sich die Peiner Landschaft herein. Fast senkrecht stürzt der Segler nach unten auf den Kanal zu. Sekunden später zieht Kai die „Peiner Eule“ wieder steil nach oben. Ich werde in den Sitz gepresst. Wieder geben sich Erde und Himmel vor meinen Augen die Hand. Eine Sekunde lang glaube ich, schwerelos zu sein, dann geht es wieder nach unten – der erste Looping ist geschafft. Zum schlecht werden bleibt mit keine Zeit, präzise reiht Kai eine Figur an die nächste und kommentiert: „Turn, Rolle, kubanische Acht, Käseecke.“

Ich habe inzwischen jede Orientierung verloren. Oben. Unten. Links. Rechts – egal! Schlecht wird mir nicht, im Gegenteil: Ich ergötze mich an den Ausblicken auf die Welt, die um mich herum rollt. Der Höhepunkt sind die Momente, in denen der Segler einen Kopfstand macht, sich in Rückenlage befindet. Dann hänge ich, nur von den Gurten gehalten im Cockpit, zwischen mir und dem Erdboden 1000 Meter unter mir nur die dünne Plexiglasscheibe der Kanzel. Ein Wahnsinn! Das ist wie Achterbahn fahren – nur ohne Schienen.

Nach gut zehn Minuten ist der Spaß vorbei. Der Segler hat die Mindesthöhe von 200 Metern erreicht. Kai fliegt eine letzte Kurve und setzt zur Landung an. Dass er jetzt keinen Fehler macht – darin habe ich vollstes Vertrauen…


Auszug aus der Peiner Allgemeinen Zeitung (08/2002):
Wer gerade unterwegs ist, wundert sich vielleicht über ein Segelflugzeug, das in wilden Drehungen Dampfschwaden hinter sich herzieht. Darin demonstriert der 27-jährige Kunstflieger Kai Gonet aus Fallersleben, welche Flugmanöver auch ohne Motorantrieb möglich sind. Damit seine Flugbewegungen gut zu sehen sind, hat er Nebelpatronen gezündet.
Über Funk kommentiert er den Zuschauern auf dem Boden seine Flugfiguren selbst: Steilflug auf 1100 Meter bei absoluter Stille. Das polnische Flugzeug mit 13,2 Metern Spannweite scheint einen Moment wie an eine Wolke genagelt, stürzt sich dann kopfüber in die Tiefe, die Windgeräusche schwellen an, der Pilot fängt seinen Flieger ab, rollt, fängt wieder ab. Halsbrecherisch sieht das aus, untypisch für ein Segelflugzeug, aber Gonet, sowohl Fluglehrer als auch Student der Luft- und Raumfahrttechnik, klingt entspannt und gelassen, als säße er im Wohnzimmersessel, und nicht in einer kleinen Kabine zwischen Himmel und Erde.
Sicherheit zuerst: Alles wird durch die Luftraumüberwachung „Bremen Radar„ kontrolliert, die Piloten sind ständig damit im Funkkontakt. Angst vor Komplikationen hat der Segelflieger nicht, „aber Respekt“. Er ist dafür mit einem Fallschirm gesichert.


Auszug aus Salzgitter Allgemeine Zeitung (08/2002):
Gewagter Kunstflug Die Piloten, Rolf Hankers mit seiner Kunstflugmaschine, einer Laser, und Doktor Botzem mit seinem Doppeldecker, waren nicht zu bremsen: Sie reihten in rasender Geschwindigkeit Kunstflugfigur an Kunstflugfigur und bewiesen, dass sie ihre Maschinen meisterhaft beherrschen. Steffen Engel flog die Loopings, Turns und Rollen mit dem Hochleistungssegelflugzeug ebenso gekonnt.