Kunstflug im Norden

mit der SZD59

Zeitungsartikel aus der Westfälischen Zeitung, Fr., 05.08.2016 Segelkunstflug Schon da, wo andere hinwollen

Ochtrup/Steinfurt – 

Marvin Woltering kehrte mit großartigen Erinnerungen und einem mindestens ebenso großen Erfolg von der Weltmeisterschaft im Segelkunstfliegen im ungarischen Matkópuszta heim. Der für die LSF Steinfurt startende Ochtruper wurde als bester Deutscher Siebter.

Von Heiner Gerull

Um in einer Sportart erfolgreich zu sein, bedarf es nicht nur außergewöhnlicher motorischer Fähigkeiten. Auch eine angemessene Portion Demut ist offenbar erforderlich, damit es gelingt, in den Rang seiner Vorbilder aufzusteigen. „Bei den Deutschen Meisterschaften in Gera in zwei Wochen werde ich in der Unlimited-Klasse dabei sein. Dort starten dann auch die ganzen Kunstflug-Legenden“, sagt Marvin Woltering voller Anerkennung. Dabei ist der Segelkunstflieger in seinem Genre fast schon dort angekommen, wo andere hinwollen: ganz oben. Bei der gerade im ungarischen Matkópuszta beendeten Segelkunstflug-Weltmeisterschaft wurde der für die Luftsportgemeinschaft (LSG) Steinfurt startende Woltering als Siebter Bester der Segelflug-Nationalmannschaft des Deutschen Aero Clubs (DAeC).

Woltering gilt als Senkrechtstarter in der nationalen und internationalen Segelkunstflug-Szene. Das hat der gerade erst 21 Jahre alt gewordene Luftsportler sowohl bei der Deutschen als auch schon bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr bewiesen, als er Sechster wurde. „Damals“, so Woltering. „befand sich die internationale Luftsport-Szene ja im Umbruch. In diesem Jahr ist die Konkurrenz stärker. Deshalb ist der siebte Platz für mich wertvoller als der sechste im vergangenen Jahr.“

Der Ochtruper sagt das auch, weil es zuvor logistische Probleme mit seinem Segelflugzeug gegeben hatte. „Deshalb konnte ich nur 20 Starts durchführen, um mich auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten.“ Teilnehmer anderer Nationen waren da besser dran. Sie kamen auf bis zu 350 Starts. Das ist ein Vorteil, der sich im Wettkampf auszahlte; besonders für den Schweden Sebastian Jansson, der Weltmeister wurde.

Woltering hatte in der Advanced-Klasse, der zweithöchsten Wertungskategorie hinter der Unlimited-Klasse, fünf Prüfungen an fünf Tagen zu absolvieren. Wobei die erste aus einer vom Weltverband vorgegebenen Flugfigur bestand, auf die sich Woltering ein Jahr lang vorbereiten konnte. „Da hat sich zwangsläufig bemerkbar gemacht, dass ich nur so wenig trainieren konnte.“ Da jedoch die weiteren vier Prüfungsteile aus vorher nicht bekannten Aufgaben bestanden, vermochte sich der 21-Jährige noch auf Platz sieben zu verbessern.

Nicht nur Präzision und Akrobatik sind vonnöten, wenn die Segelkunstflieger – nachdem sie von einem Motorflieger auf 1250 Meter hochgeschleppt worden sind – in zweieinhalb bis drei Minuten acht bis zehn Figuren demonstrieren. Körperliche Fitness, physikalisches Verständnis und nicht zuletzt ein großes Maß an Verantwortungsbewusstsein seien ebenfalls unabdingbare Komponenten, um erfolgreich zu sein, gibt Woltering zu verstehen.

Er hat sich diese Tugenden so weit zu eigen gemacht, dass sie ihm sogar bei seiner künftigen beruflichen Tätigkeit hilfreich sein werden. So wird der Ochtruper in absehbarer Zeit eine Ausbildung zum Berufspilot bei der Lufthansa beginnen. Die Zeit bis dahin will er überbrücken, indem er in Münster ein Studium der Psychologie aufnimmt.

Seine sportlichen Ambitionen wird er weiterhin verfolgen, auch wenn ihn seine beruflichen Verpflichtungen künftig stark in Anspruch nehmen werden. In Polen, Ungarn oder Rumänien haben es die Spitzensportler dieses Genres leichter. Woltering: „Dort betreiben das einige Sportler hauptberuflich, etwa als Sportsoldaten.“

Diese Privilegien gibt es in Deutschland nicht. Trotzdem wird Woltering weiter in die Luft aufsteigen. Allein schon deshalb, weil die Erinnerungen an die Weltmeisterschaft in Ungarn immer noch überwältigend sind. 15 Tage waren die Piloten der Segelflug-Nationalmannschaft des Deutschen Aero Clubs unterwegs – ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Besonders für Woltering, der nach dem Aufstieg aus dem B-Kader als einziger eines deutschen A-Kaders unterwegs war.

Auch das signalisiert: Wolterings Steigflug ist längst noch nicht beendet.

 

Autor: Kai

Hallo Ich bin Kai, Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrt, Fluglehrer, Kunstflieger und Halter der SZD59. Aufgrund von Zeitmangels habe ich schweren Herzens den Flieger nach Steinfurt vergeben - quasi als Förderflugzeug. Diesen Schritt habe ich bisher nie bereut. Außerdem bin ich Admin dieser Seite.

Kommentare sind deaktiviert.